Es gibt Möbel, die Menschen über Jahre, manchmal über Generationen hinweg begleiten. Entsprechend gross ist der Wunsch, solche Stücke zu erhalten. In der Holzmanufaktur Voellmy bei Tschudin geht es genau darum: Bestehendes bewahren. «Alte Möbel haben eine Geschichte. Das spürt man sofort, wenn sie zu uns in die Werkstatt kommen», sagt Beat Voellmy, Leiter der Holzmanufaktur. Oft sind es Erbstücke oder Möbel mit persönlicher Bedeutung. «Der materielle Wert steht dabei selten im Vordergrund. Es sind Erinnerungen und Geschichten, die daran hängen.» Jedes Stück wird sorgfältig geprüft. Nicht alles wird ersetzt oder neu gemacht. Im Vordergrund steht die Frage, was erhalten werden kann. Eine Restaurierung beginnt mit einer genauen Analyse: Welche Materialien wurden verwendet? Was ist beschädigt, was noch intakt? «Die Herausforderung liegt darin, das richtige Mass zu finden: so viel wie nötig eingreifen, so wenig wie möglich verändern.» Gerade bei emotional wertvollen Stücken ist auch Fingerspitzengefühl gefragt. «Wichtig ist, den Kundinnen und Kunden zuzuhören und zu verstehen, was ihnen das Möbel bedeutet.»
Handwerk mit Haltung
Ziel jeder Restauration ist es, den ursprünglichen Charakter zu erhalten und das Möbel wieder nutzbar zu machen. Antike Stücke haben eine hohe handwerkliche Qualität. Massivholz, stabile Verbindungen und durchdachte Konstruktionen sorgen dafür, dass sich eine Aufarbeitung lohnt. «Ein gut gebautes Möbelstück kann man mehrfach überarbeiten. Das unterscheidet es von vielen industriellen Produkten heute.»
Die Restaurierung selbst ist präzise Handarbeit. Gearbeitet wird mit traditionellen Techniken und Werkzeugen. «Man spürt beim Arbeiten, wo mehr gemacht werden muss und wo weniger.» Gerade bei alten Möbeln kommen Materialien und Verfahren zum Einsatz, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben. Früher wurden beispielsweise Holzverbindungen oft mit Knochenleim gefestigt – ein Material, das sich bei gelösten Furnieren durch Wärme wieder aktivieren lässt. Der geläufige Weissleim für Holz braucht es nicht. Auch bei der Oberflächenbehandlung hat sich vieles verändert. Was früher mit Lösungsmitteln abgelaugt wurde, lässt sich heute teilweise mit Lasertechnik bearbeiten, welche Lacke und Farbschichten gezielt abträgt. Der Einsatz von Chemikalien und die Emissionen sinken dadurch deutlich. Dieses Wissen gezielt einzusetzen, ist entscheidend. «Eine falsche oder übertriebene Restaurierung sieht man sofort. Deshalb braucht es Spezialisten.»
Wissen weitergeben
Aktuell kümmert sich der Restaurator Frédéric Eckert mit viel Hingabe und Erfahrung um die Stücke, die in die Werkstatt kommen. Ab Sommer wird das Team erweitert: «Unsere Schreiner-Lehrabgängerin steigt in die Möbelrestauration ein und wird gezielt in dieses Handwerk eingeführt», freut sich Beat Voellmy. Damit wird das Wissen um traditionelle Techniken an die nächste Generation weitergegeben. Die Holzmanufaktur arbeitet zudem mit einem externen Basler Polsteratelier zusammen. Dort werden Sitzmöbel neu aufgepolstert und bezogen. «Wir haben eine grosse Auswahl an Stoffen und viele Möglichkeiten, einem Möbel eine individuelle Note zu geben. Gerne beraten wir unsere Kundinnen und Kunden vor Ort, um den Stoff zu finden, der perfekt in ihr Wohnambiente passt.»
Restaurieren ist nachhaltig
Bestehendes weiterzuverwenden ist oft sinnvoller als neu kaufen. «Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, bevor man etwas ersetzt», ist Beat Voellmy überzeugt. Viele dieser Möbel sind so gebaut, dass sie sehr lange halten. Gleichzeitig gibt es auch Grenzen: Wenn ein Möbel stark beschädigt ist oder wesentliche Teile fehlen, wird eine Restaurierung unverhältnismässig aufwendig. Am Ende steht immer die Entscheidung: Restaurieren oder neu kaufen? Die Erfahrung zeigt: Oft hat ein Möbel mehr Potenzial, als man auf den ersten Blick vermutet. Eine Beratung in der Holzmanufaktur Voellmy bei Tschudin lohnt sich.
